Schieloperationen
Bei etwa der Hälfte der Schielkinder genügen konservative Maßnahmen (Brillenkorrektur, Verkleben eines Auges) zur Beseitigung des Schielwinkels nicht. Bei ihnen sind eine oder mehrere Augenmuskeloperationen erforderlich, bis eine Parallelstellung der Augen erreicht ist. Das Alter, in dem diese Operation vorgenommen werden sollte, bestimmt der behandelnde Augenarzt. Der Zeitpunkt der Operation richtet sich nach der Lage des jeweiligen Falles und kann sehr verschieden sein: Bei sehr großem Schielwinkel kann durchaus schon im Kleinkindesalter operiert werden, sofern die Eltern dieses wünschen. Ist der Schielwinkel nicht so beträchtlich, kann im allgemeinen bis zum 6. Lebensjahr abgewartet werden. In jedem Fall sollte allerdings die operative Behandlung zur Einschulung abgeschlossen sein, damit das Kind ohne sichtbaren Augenfehler in den für ihn so wichtigen neuen Lebensabschnitt eintreten kann. In der Regel wird die Operation an den äußeren Augenmuskeln erst dann vorgenommen, wenn sich das Kind ausreichend gut untersuchen läßt, die Brille verläßlich trägt und mit beiden Augen annähernd gut sieht, die Schielschwachsichtigkeit also behoben ist.
Allerdings ist es durchaus möglich, die Operation auch zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen, beispielsweise dann, wenn die betroffenen Kinder herangewachsen sind und mitentscheiden können, ob für sie die Operation wichtig oder unwichtig ist.
Die Operation stellt lediglich eine kosmetische Korrektur des Schielwinkels dar, eine Verbesserung der Sehschärfe ist damit in keinster Weise verbunden. Nur in wenigen Fällen ist nach der Operation auch ein räumliches Sehen möglich, z. B. beim Spätschielen. Mit der Operation ist aber beileibe nicht die augenärztliche Behandlung beendet, obwohl sie am Ende der Behandlungskette steht. Auch später noch sind Kontrollen zum Ausschluß der Entstehung einer erneuten Schielschwachsichtigkeit und Überprüfung der Brille notwendig, die in den meisten Fällen auch nach der Operation getragen werden muß: Es wird nur der Schielwinkel operiert, der nicht mit der Brille auskorrigiert werden kann. Aus diesem Grunde ist durchaus zu erwarten, daß das Kind nach Abnehmen der Brille noch schielt, auch wenn der Schielwinkel kleiner als vor der Operation ist. Die Operation macht also die Brille nicht überflüssig, weil der Brechungsfehler nur durch die Brille ausgeglichen werden kann.
Eine Augenmuskeloperation ist in den allermeisten Fällen ein kleiner operativer Eingriff, der vom Augenarzt bei Kindern in Allgemeinnarkose ausgeführt wird. Nach einer Beruhigungsspritze und Narkoseeinleitung spürt das Kind vom operativen Eingriff nichts mehr. Die Operation dauert je nach Ausmaß und der Anzahl der zu operierenden Muskeln etwa 10 bis 60 Minuten. Erst im Alter von ca. 16 Jahren ist eine Operation in Lokalanästhesie möglich. Die Operation wird meistens unter stationären Bedingungen vorgenommen, damit die Nachsorge gesichert ist. Im Einzelfall ist allerdings auch eine ambulante Operation möglich, wenn die Eltern die notwendigen augenärztlichen Kontrollen danach garantieren können. Schieloperationen sind ausgesprochen risikoarm und haben gute Erfolgsaussichten, zumal das Auge nicht aufgeschnitten werden muß. Es ist also lediglich ein Eingriff am "äußeren Auge", bei dem der Augenarzt die leicht heilende Bindehaut eröffnet, um die Augenmuskeln zu regulieren. Eine längere Bettruhe ist nach der Operation nicht erforderlich.
Die einfachste Operation ist die Rücklagerung eines geraden Muskels hinter seinen Ansatz. Dabei wird die Sehne des Augenmuskels am Muskelansatz durchtrennt und weiter rückwärts an den Augapfel wieder angenäht. Dazu werden sich selbstauflösende Fäden verwendet. Die Rücklagerung bzw Rücknähung wird an demjenigen Muskel vorgenommen, der zu stark ist und damit das Schielen des Auges hervorruft. Da der Muskel weiter hinten am Augapfel wieder angenäht wird und wieder anwächst, läuft die Operation auf eine Schwächung der Zugkraft dieses Muskels hinaus, der Schielwinkel wird verkleinert: Der zu starke Muskel wird demnach geschwächt.
Ähnlich gelagert ist die Vorlagerung eines geraden Muskels. Bei dieser Operation wird der Muskel, der zu schwach ist und mehr ziehen müßte, von seinem Ansatz abgetrennt, gekürzt und an der gleichen Stelle wieder angenäht. Der zu schwache Muskel wird also gestärkt.
Oftmals werden Muskelrücklagerung auf dem einen und -vorlagerung auf dem anderen Muskel innerhalb einer Operation am gleichen Auge durchgeführt, um ein möglichst sicheres Operatiosergebnis zu erlangen und den Parallelstand der Augen, das erklärte Ziel der Operation, zu gewährleisten.
Bei einem Einwärtsschielen müßten demnach der innere gerade Augenmuskel rückgelagert und der äußere gerade Augenmuskel vorgelagert werden. Beim Außenschielen sind die Verhältnisse umgekehrt.
Neben diesen beiden geschilderten Operationen kommen noch einige seltener durchgeführte, aber keinesfalls gefährlichere Operationen in Frage, beispielsweise die Muskelfältelung, die Fadenoperation oder die Operation an einem schrägen Augenmuskel.
Nach dem Eingriff am Augenmuskel wird die aufgeschnittene Bindehaut vernäht. Dabei wird gleichfalls sich auflösendes Nahtmaterial verwendet, damit nicht zu einem späteren Zeitpunkt die Fäden entfernt werden müssen. Natürlich reagiert das operierte Auge nach der Operation. Es treten in den ersten 48 Stunden nach der Operation Schmerzen auf, vor allen Dingen bei Augenbewegung. Darüber hinaus ist das Auge für einige Wochen gereizt, so daß entsprechende Augentropfen verabreicht werden müssen. Dies ist auch deswegen notwendig, damit keine Infektion auftreten kann.
Viele Schielwinkel sind allerdings zu groß, als daß eine einzige Operation ausreichen würde; dann muß auch am 2. Auge die gleiche Operation am entsprechenden Muskel durchgeführt werden, meist im Abstand von einigen Monaten.




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