Die Gefahren des Grünen Stares und die Möglichkeiten seiner Behandlung
Welche Bedeutung hat die Erkrankung?
Der Grüne Star (Glaukom) spielt nach wie vor in den Statistiken der Erblindungsursachen der entwickelten Länder eine unrühmliche Rolle, obwohl bei rechtzeitiger Diagnosestellung und sachkompetenter Behandlung die Prognose der Erkrankung nicht ungünstig ist. Allein in Deutschland sind etwa 5 Millionen Menschen bedroht, zumal jeder Zehnte ab dem 40. Lebensjahr gefährdet ist, am Grünen Star zu erkranken: 500 000 haben eine manifeste Erkrankung; 50 000 müssen bei nicht frühzeitiger Diagnose und entsprechender Therapie mit Erblindung rechnen.
Gegenwärtig beziehen in Deutschland aufgrund dieser Tatsache mehr als 30 000 Menschen Blindengeld. Um diesem Mißstand zu beseitigen, ist im deutschsprachigen Raum der „Initiativkreis Glaukom – Früherkennung e.V.“ gegründet worden, der seine Hauptaufgabe in der Aufklärung der Bevölkerung sieht. Es ist sehr schwer nachvollziehbar, daß in einer wohlinformierten und aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren die Mehrzahl der Mitmenschen aus reiner Unkenntnis am Grünen Star erblinden: Nach repräsentativen Untersuchungen des Meinungsforschersinstitutes SAMPLE kann nach wie vor mehr als die Hälfte der Bevölkerung mit dem Begriff nichts anfangen, nur 28 % der befragten Personen war in diesem Zusammenhang das Risiko der Erblindung bewußt, nur 9 % gaben an, von einem Augenarzt über dieses Leiden aufgeklärt worden zu sein, fast jeder Dritte vermutete, daß es nach der Stellung der Diagnose keine Rettung gäbe.
Gerade beim Grünen Star kommt es aber auf eine Frühdiagnose an, zumal die Patienten in den meisten Fällen keine Beschwerden haben und ihre Erkrankung erst im Spätstadium bemerken. Durch eine vorbeugende Messung des Augeninnendruckes bei Menschen über 40 Jahre, wie sie immer wieder von Augenärzten gefordert wird, könnte der Grüne Star rechtzeitg erkannt und gezielt behandelt werden.

Was ist Grüner Star?
Auf alle Fälle hat die Erkrankung nicht mit dem Vogel zu tun. Möglicherweise ist die Bezeichnung auf die Beobachtung zurückzuführen, daß die am Grünen Star Erblindeten durch ihren starren Blick auffallen.
Der Grüne Star ist eine Regulationsstörung im Sehnervenkopf, des vordersten Teiles des Sehnerven. Die wichtigste Ursache dieser Regulationsstörung besteht in einer Steigerung des Augeninnendruckes, bei älteren Patienten auch in einer Durchblutungsstörung. Beide Faktoren führen bei Nichtregulierung zu einem Schwund des Sehnerven, zum Untergang des Gewebes, zum Gesichtsfeldverfall und damit zu einem unwiederbringlichen Verlust des Sehvermögens.
Welche Rolle spielt der Augendruck?
Das Auge erhält seine kugelige Form durch den Innendruck, der wiederum von Kammerwasserbildung und – abfluß abhängt. Der Druck im Augeninneren (Angabe wie beim Blutdruck in Millimeter Quecksilbersäule) liegt normalerweise zwischen 10 und 21 mmHg (Mittelwert 15 mmHg). Er ist vom Lebensalter (im Alter höher als in der Jugend) und der Tageszeit (morgens höher als abends) abhängig.
Die Tagesschwankungen liegen normalerweise nie höher als 4 mmHg. Ein Glaukomverdacht besteht bei Druckwerten zwischen 22 und 26 mmHg. Ein wiederholt gemessener Augendruck über 26 mmHg ist krankhaft. Die individuelle Verträglichkeit gegenüber höheren Augendruckwerten ist groß, d.h. höhere Druckwerte werden zuweilen ohne Schäden vertragen. Beeinflußt wird sie in erster Linie durch die Durchblutung an Sehnervenkopf und den Blutdruck. Meist ist diese Verträglichkeit schwer einzuschätzen, so daß jeder erhöhte Augendruck ernst genommen werden muß.
Die Beurteilung, ob ein Grüner Star vorliegt oder nicht, ist keinesfalls von nur einer einmaligen Messung des Augendruckes abhängig zu machen und ist nur vom Augenarzt möglich: Viele Faktoren müssen beachtet werden, z.B. wie hoch der Augendruck ist, wie stark er innerhalb eines Tages schwankt, ob in der Familie ein Grüner Star vorkommt (Grüner Star kann vererblich sein), ob schon Gesichtsfeldausfälle vorliegen, wie der Sehnervenkopf beschaffen ist, wie hoch der Blutdruck liegt und wie die allgemeine Gefäßsituation einzuschätzen ist.

Warum kommt es zum Grünen Star?
Warum es bei einem Patienten zum Grünen Star kommt und beim anderen nicht, kann im Einzelfall meist nicht erklärt werden. Mit äußeren Ursachen oder der Lebensweise hat es jedenfalls nichts zu tun.
Die Erhöhung des Augendruckes beruht auf einer Abflußstörung des im Auge gebildeten Kammerwassers, die verschiedene Ursachen haben kann. In 90 % der Fälle ist der Abflußwiderstand in den Maschen des Trabekelwerkes durch Verkalkung erhöht. Das Trabekelwerk ist ein höchst sensibler Ort an dem das Kammerwasser das Auge verläßt. Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig erforscht.
Wie wird der Grüne Star bemerkt?
Der Grüne Star ist gekennzeichnet durch eine jahrelange symptomlose, mäßige Drucksteigerung mit allmählichen, über einen langen Zeitraum unbemerkt bleibenden Gesichtsfeldausfällen. Der Patient nimmt die Gesichtsfeldausfälle meist erst dann wahr, wenn sie das zentrale Sehen beeinträchtigen, zu einem Zeitpunkt also, wo die entstandenen Schäden bereits irreversibel sind. In diesen Fällen kommt es darauf an, durch eine entsprechende Behandlung ein Fortschreiten der Erkrankung und die Erblindung zu verhindern.
Wird der Grüne Star in diesem Stadium nicht erkannt, schreitet der Gesichtsfeldausfall weiter fort: Die Patienten können später nicht mehr fixieren und einen Gegenstand nicht mehr betrachten. Bestehen nur noch geringe periphere Gesichtsfeldreste, ist eine Orientierung im Raum kaum noch möglich. Im Endstadium sind die Patienten blind.
Die Drucksteigerung wird dem Auge nicht angesehen. Sie ist meist doppelseitig, beginnt aber an beiden Augen zu verschiedenen Zeitpunkten. Der Patient empfindet mitunter ein unspezifisches Druckgefühl oder eine Müdigkeit in den Augen, Symptome, die aber bei vielen Augenveränderungen auftreten können und daher nicht typisch sind.
Da etwa 1 % der Bevölkerung über dem 40.Lebensjahr an dieser gefährlichen, weil unbemerkt bleibenden Glaukomform leiden, sollte bei jeder Brillenbestimmung in diesem Alter eine Messung des Augendruckes durch den Augenarzt vorgenommen werden.
Wir wird der Grüne Star behandelt?
Die „Einstellung“ eines Glaukoms, d.h. die Regulierung des Augendruckes erfordert sehr viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen.
Grundsätzlich wird immer erst versucht, durch Augentropfen den Augendruck zu senken. Dies gelingt in den allermeisten Fällen. Mitunter muß die Wirkung verschiedener Tropfen getestet oder die Art der Tropfen im Laufe der Jahre wegen nachlassender Wirkung verändert werden; oft kommen Kombinationspräparate oder unterschiedliche Tropfen gleichzeitig zur Anwendung.
Gelingt die medikamentöse Einstellung des Grünen Stares nicht, wird versucht, mit einer Laserbehandlung den Kammerwasserabfluß zu erleichtern. Erst wenn diese Maßnahmen erfolglos bleiben, ist eine Operation notwendig. Es gibt eine Reihe von Techniken und Methoden. Meist wird ein künstlicher Abfluß angelegt, damit das Kammerwasser unter die Bindehaut abfließen kann.
Wie schnell schreitet der Grüne Star fort?
Ist der Augendruck gut „eingestellt“ und die Durchblutung des Sehnervenkopfes ausreichend, bleibt die Erkrankung „stehen“ und schreitet nicht mehr fort. Erblindung durch den Grünen Star ist also durchaus vermeidbar. Je später allerdings die Erkrankung erkannt wird, desto schlechter ist die Prognose. Allerdings kann weder medikamentös noch operativ der Schaden, der u.U. bereits eingetreten ist, behoben werden.
Es gibt beeindruckende Untersuchungen über die Verläßlichkeit der Anwendung drucksenkender Augentropfen durch den Patienten. Danach tropfen etwa 60 % aller Glaukompatienten zwischen den Arztbesuchen unregelmäßig, zumal dann, wenn ihnen schwer verständlich ist, Augentropfen ins Auge zu geben., obwohl ihre Sehleistung zufriedenstellend ist. In diesen Fällen schreitet die Erkrankung natürlich weiter fort. Aus diesem Grunde kommt einer entsprechenden Patientenaufklärung eine große Bedeutung zu.
Häufig gestellte Fragen von Patienten mit Glaukom
Ich glaube nicht, daß ich einen Grünen Star habe, da ich nichts merke!
Die Symptomlosigkeit ist das charakteristische Merkmal des Grünen Stares. Es ist besonders heimtückisch, daß ein mäßig erhöhter Augendruck praktisch keine Beschwerden verursacht. Die Gefährlichkeit des erhöhten Augendruckes bleibt somit unbemerkt. Deshalb ist gerade beim Vorliegen eines Grünen Stares ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Patient und Augenarzt von größter Bedeutung. Wenn die Diagnose angezweifelt wird, sollte zusätzlich ein anderer Augenarzt konsultiert werden, um endgültige Gewißheit und Sicherheit zu erhalten.
Bei mir ist ein Grüner Star festgestellt worden. Muß ich jetzt erblinden?
Vielerorts besteht die Annahme, daß der Grüne Star zwangsweise zur Erblindung führt. Das ist nicht richtig. Sicher besteht die Möglichkeit der Erblindung, wenn die vom Augenarzt festgelegte Therapie nicht eingehalten wird oder die augenärztlichen Kontrollen versäumt werden. Hält sich der Patient an die Vorgaben und Anweisungen des Augenarztes, ist eine spätere Erblindung sehr unwahrscheinlich.
Was kann ich selbst tun, damit der Augendruck normal ist?
Dem Einhalten der drucksenkenden Therapie, besonders der rechtzeitigen Anwendung der Augentropfen und den regelmäßigen Kontrollen beim Augenarzt, kommen die entscheidende Bedeutung zu. Darüber hinaus kann der Patient kaum Einfluß auf seinen Augendruck nehmen. Allerdings wirken sich eine gesunde Lebensführung, sportliche Betätigung und eine ausgewogene Ernährung eher vorteilhaft aus, während das Rauchen schadet.
Zweifelsfrei fest steht, daß bestimmte Gewohnheiten, Betätigungen oder Tätigkeiten (Fernsehen, Lesen, Handarbeit, intensive Beanspruchung der Augen aller Art, Sehen in der Dunkelheit, Kunstlichtbeleuchtung) keinen Einfluß auf den Augendruck ausüben.
Wie kann ich feststellen, ob mein Augendruck zu hoch ist?
Die Beurteilung der Höhe des Augendruckes durch den Patienten ist nahezu unmöglich, obwohl mitunter manche Glaukompatienten vor der Messung eine gewisse Vorahnung haben. Meist schließen sie dabei von ihrem Wohlbefinden oder von äußeren Faktoren auf den Augeninnendruck.
Manche Patienten haben gelernt, durch Druck auf das Auge mittels beider Zeigefinger den Augendruck grob zu schätzen. Eine exakte Selbstprüfung des Augendruckes durch den Patienten gibt es aber bislang nicht.
Meine Mutter hat einen Grünen Star. Muß ich befürchten, auch daran zu erkranken?
Die Veranlagung zum Grünen Star wird zweifellos vererbt. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, bei Vorliegen eines Grünen Stares in der Familie selbst zu erkranken, nicht sehr groß, aber deutlich höher als bei anderen Menschen.
Aus diesem Grunde sollte sich Menschen mit einer positiven Familienanamnese häufiger und regelmäßiger untersuchen lassen als andere.




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