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Sportverletzungen – Das geht ins Auge

Von Werner Bartens

Seit Juni 2010 kann Karol Bielecki auf dem linken Auge nichts mehr sehen. Ein Gegenspieler hatte seine Finger hineingebohrt. Hornhaut, Linse, Iris und Netzhaut waren eingerissen; das Augenlicht auf dieser Seite konnte nicht gerettet werden. Das hinderte den polnischen Handballnationalspieler jedoch nicht daran, Torschützenkönig bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio zu werden. Bei Mithat Demirel hingegen beschleunigte die Augenverletzung das Karriereende. Der 100-malige Basketballnationalspieler hatte sich 2008 eine Augenverletzung zugezogen und seitdem häufig über Kopfschmerzen und stark eingeschränkte Sehkraft geklagt. Bald darauf beendete er seine Profilaufbahn.

Die Finger der Gegenspieler sind die größte Gefahr

„Eine einzige Augenverletzung kann lebenslang Auswirkungen haben“, sagt der Gesundheitswissenschaftler Richard Sterling Haring. „Dadurch ist womöglich die Ausbildung beeinträchtigt, der spätere Verdienst und natürlich auch die Fähigkeit, zu lesen und Auto zu fahren.“ Gemeinsam mit anderen Ärzten hat der Forscher analysiert, bei welchen Sportarten es in den USA zu Augenverletzungen kam (JAMA Ophthalmology, online). Innerhalb der Jahre 2010 bis 2013 wurden in den Notaufnahmen von 900 Krankenhäusern knapp 86 000 Verletzungen am Auge diagnostiziert.

Am häufigsten wird das Auge demnach beim Basketball in Mitleidenschaft gezogen, gefolgt von Baseball, Luftgewehr, Radfahren, Fußball und American Football. „Es ist schwer, verlässliche Zahlen über Augenverletzungen im Sport für Deutschland zu bekommen“, sagt Thomas Katlun, der als Augenarzt den Olympiastützpunkt Heidelberg betreut und Karol Bielecki nach dessen Operation medizinisch begleitet hat. „Es gibt keine vernünftige Statistik darüber, welche Verletzungen wie oft auftreten.“ Den Zahlen der Unfallversicherer zufolge sind Squash, Wasserball, Tennis, Badminton und Basketball besonders gefährlich für das Auge. Absolut gesehen fallen aber populäre Ballsportarten wie Fußball, Handball, Basketball und Volleyball stärker ins Gewicht.

„Meistens handelt es sich bei Augenverletzungen im Sport um oberflächliche Verletzungen der Hornhaut oder um eine Bindehauteinblutung“, sagt Katlun. „Die sind vergleichbar mit einer Schürfwunde oder einem blauen Fleck am Bein und bedürfen keiner spezifischen Therapie. Weil das Auge so empfindlich reagiert, ist aber antibiotischer Schutz sinnvoll.“ Als Notfall muss hingegen behandelt werden, wer einen Einriss der Lederhaut, des Augapfels oder eine Netzhautablösung erleidet. „Die gravierendsten Verletzungen beobachten wir in Kontaktsportarten durch die Finger der Gegenspieler“, sagt Katlun.

Wenn Bälle mit Wucht im Gesicht landen, können sie nicht nur das Auge direkt verletzen, sondern auch zu einer Fraktur der Augenhöhle führen, die dann wiederum das Augenlicht bedrohen kann. Einem Fußball, der mit voller Kraft und 120 Kilometern pro Stunde ungünstig landet, halten Jochbein und Stirnknochen nicht immer stand. Handballtorhüter leiden öfter unter Ödemen rund um das Auge, sowie Einblutungen der Netzhaut.

„Schutzbrillen wären in vielen Sportarten sinnvoll, aber das lässt sich nicht durchsetzen“, sagt Augenarzt Katlun. „Es wäre schon ein Fortschritt, wenn die Brille im Sport keine zusätzliche Gefahr darstellt, weil sie splittert. Schutz bieten sporttaugliche Brillen mit geprüftem Glas.“ Karol Bielicki, der in der Handballbundesliga für die Rhein-Neckar Löwen aktiv war, spielt inzwischen nur noch mit Schutzbrille – um das verbliebene Auge vor Verletzungen zu bewahren.

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Ursprünglich erschienen in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung am 03.11.2016:
http://sz.de/1.3233123

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Werner Bartens wurde 1966 in Göttingen geboren. Studium der Medizin, Geschichte und Germanistik in Gießen, Freiburg, Montpellier (F) und Washington D.C. (USA). Nach dem US-Staatsexamen Medizin (1992) Forschungsjahr an den Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) in Bethesda (USA). 1993 Staatsexamen Medizin in Freiburg und Promotion zum Dr. med. mit einer Doktorarbeit über genetische Grundlagen des Herzinfarktes. 1995 Magisterexamen in Deutsch und Geschichte mit einer Abschlussarbeit über Rassentheorien im 19. und 20. Jahrhundert. Bartens arbeitete zwei Jahre als Arzt in der Inneren Medizin an den Unikliniken Freiburg und Würzburg, anschließend Postdoktorand in der Arbeitsgruppe des Nobelpreisträgers Georges Köhler am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg. Seit 1997 Buchautor, Übersetzer, Ko-Autor einer WDR-Seifenoper und tätig für SZ, Zeit, FAZ und taz. Von 2000 bis 2005 Redakteur im Reportage-Ressort der Badischen Zeitung und zuständig für Medizin; daneben Mitarbeit bei SZ, Zeit und taz. Seit 2005 ist Bartens Redakteur im Ressort Wissen der SZ, seit 2008 Leitender Redakteur. Er hat mehr als 20 populäre Sachbücher veröffentlicht, darunter etliche Bestseller wie „Das Lexikon der Medizin-Irrtümer“, „Körperglück“, „Heillose Zustände“, „Was Paare zusammenhält“ und „Wie Berührung hilft“. Bartens ist zu Fragen der Medizin und Gesundheitspolitik oft im Fernsehen zu Gast. Er wurde vielfach mit Journalistenpreisen geehrt und 2009 als „Wissenschaftsjournalist des Jahres“ ausgezeichnet. Weitere Infos: www.werner-bartens.de

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